KAPITEL 6 GITARREN MIT LANG – DNA

KAPITEL 6 GITARREN MIT LANG – DNA 02.12.2020

LANG-GITARREN MIT FREMDKOMPONENTEN

SDL – Hals nicht original

SUP – Hals nicht original

Bei dieser LANG-SUPER wurde der originale Hals durch eine Klassik-Komponente vom Gitarrenbauer Edgar Mönch ersetzt.

Edgar Mönch, geboren am 29. Oktober 1907 in Leipzig, war ein deutscher Gitarrenbauer aus München, der im Jahre 1965 nach Toronto auswanderte. Seine Gitarren wurden u.a. von John Williams, Jorge Morel und Julian Bream gespielt.

TLL – Griffbrett nicht original

Auch bei dieser Gitarre war offensichtlich ein Spieler aus dem Klassikbereich der Urheber für diese, vom Original abweichende Modifikation. Das flache Griffbrett ohne Einlagen bestärkt diese Vermutung.

STD – Hals nicht original

Die Geschichte dieser modifizierten LANG-Standard:

Eines Tages wurde mir eine LANG-SDL aus Österreich angeboten. Ich zögerte nicht lange und kaufte sie.

Der Besitzer, ein Pensionär, machte mir das Angebot, das Instrument persönlich bei mir abzuliefern.

Bei seinem Besuch stellte sich heraus, dass er Artur Lang persönlich kannte und über die Jahre schon mehrere Instrumente von diesem erworben hatte. Ganz nebenbei erzählte er mir, dass er noch einen Korpus einer LANG, ohne Hals, besitze. Dies sei seine erste Gitarre vom großen Meister gewesen wie er sagte.

Weil er es aber gewohnt war auf klassischen Gitarren zu spielen, bereitete ihm der schmale Hals und das gewölbte Griffbrett Probleme und so brachte er die Gitarre zu einem Instrumentenbauer in seiner Nähe und bat diesen einen Konzertgitarrenhals einzubauen. Das Original wurde beim Ausbau leider zerstört. Das Halslager im Korpus musste wegen der größeren Halsbreite einseitig erweitert werden.

Leider ist der neue Hals aber schon nach kurzer Zeit gebrochen und so blieb ein fast neuwertiger Korpus übrig, mit dem sein Besitzer nichts anzufangen wusste.

Kurze Zeit später gehörte der Torso mir und ich sah mich vor der Aufgabe, den Korpus wieder mit einem standesgemässen Hals zu vereinen.

Auf die einseitige Auffütterung des Halslagers habe ich aus optischen Gründen verzichtet. Dies hatte eine Neukonstruktion zur Folge, da ich die Maße nicht von einer meiner LANG’s direkt übernehmen konnte.

Dass dabei die etwas opulentere Ausführung, mit der die SUP-und SDL-Modellen bestückt sind herausgekommen ist, war nicht ganz unbeabsichtigt.


GITARREN MIT ORIGINALEN – LANG-KOMPONENTEN

GLASSL Gustav

HOPF mit Lang-Komponenten vom Modell KNL

ALOSA mit LANG-Komponenten

Dies ist ein sehr frühes Modell von ca. 1953. Da Artur Lang zu Beginn seines Schaffens auch einige Gitarren an ALOSA geliefert hat, könnte es durchaus sein, dass dieses Instrument aus dessen Werkstatt stammt. In diesem Falle würde es sich um das Modell KNS handeln. Leider reichen die Informationen aus dem vorliegenden Bildmaterial nicht aus, um diese Annahme sicher zu belegen.

ALOSA-Standard mit LANG-Hals


RAUSCHMAYR Erich

Modell GRANDESS 1

Verwendete LANG-Komponenten:

      1. Decke und Boden vom Modell KF
      2. Hals vom Tiefcut-Modell mit modifiziertem Halsfuß

Modell GRANDESS 2

Verwendete LANG-Komponenten:

      1. Decke und Boden vom Modell KN
      2. Hals vom Tiefcut-Modell mit modifiziertem Halsfuß

SANDNER Anton

Diese Gitarre im LANG-Stil fertigte Anton Sandner für AMC.

Decke und Boden stammen aus den Beständen des Geigenbauers Hollenbach.

Hollenbach hat, nach dem Tode von Artur Lang, in den Jahren 1978-80 versucht, Kopien von LANG-Gitarren zu bauen und zu verkaufen.

Die Decken und Böden hierfür wurden bei der Firma Fuchs, die vormals LANG belieferte, vorgefräst, unter Verwendung des Original-LANG-Kopiermodells. Adi Feil, zu dieser Zeit Geschäftsführer des Musikgeschäfts Hunklinger in Traunstein, sollte die Hollenbach-Lang-Kopien vertreiben. Das Vorhaben scheiterte, weil die Instrumente in Bezug auf Verarbeitung und Klang nicht dem Niveau des Originals entsprachen.

Nach dem Tode von Hollenbach erwarb die Firma AMC, 2008, die Restbestände der verbliebenen Decken und Böden und bot sie zum Verkauf an. http://www.rareguitarparts.com


SCHARPACH Theo

Vienna Sunset

Bilder: Vienna Quelle: Scharpach

Theo Scharpach übernahm 1985 den gesamten Bestand an Deckenhölzern aus Artur Langs Werkstatt.

Weitere Infos hier: https://www.scharpach.com/


SONSTIGE

Flattop aus Lang-Komponeten

Diese Flattop wurde 2014 in ebay angeboten. Sie besteht, außer Mechaniken, Steg und Tonabnehmer, aus originalen Rohkomponenten von LANG.

Allerdings ist das Baudatum nicht wie in der Beschreibung angegeben, Anfang der 70er Jahre, sondern Jahrzehnte später. Der Verkäufer, ein intimer Lang-Kenner, hat dieses Projekt selbst bei einem Gitarrenbauer durchführen lassen.

Es war nicht das erste Mal, dass dieser Verkäufer Fakes unter der Bezeichnung Original-LANG verkauft hat.


Thinline mit LANG-Hals

Der LANG-Hals könnte in einen FRAMUS-Atlantik-Korpus eingebaut sein.


Eigenprojekt HGL

HGL bedeutet: Zargenhöhe Halb – Korpus Gross – Luxus

Spezifikation

  • Korpusabmessungen (außer Zargenhöhe) wie Modell SUP
  • Decke und Boden von Hollenbach – gefräst bei Fuchs mit der Kopierschablone von LANG
  • Grössere geteilte Schalllöcher, wie bei Modell TP
  • Zargenhöhe 5,5cm
  • Einstreifiges Zargenbinding
  • Restaurierter Original-Hals
  • Halsbefestigung mittels Schraubanker
  • Originalgetreue Hardware

Nach bisherigem Kenntnisstand hat A. Lang nur ein grosses SEMI-Modell gebaut.

http://schlaggitarren.de/archtop/restauration-einer-lang-semi/

Die enorme akustische Klangfülle dieser Gitarre, gepaart mit optimalem Handling, waren die Beweggründe für den Bau des Modells HGL.


GITARREN IM LANG-STIL

BENEDETTO Robert

Making an Archtop

Bild: Benedetto Quelle: Elmar Kesenheimer

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus Seite 25 des Buches „Making an Archtop Guitar“ von Robert Benedetto.

Die abgebildeten Löcher stammen vom SUP-Modell mit großem Korpus das erst 1955 eingeführt wurde.

Die Tiefcutaway-Modelle ab 1952 haben etwas grössere Schalllöcher.


D‘AQUISTO Jimmy

Solo / Teardrop / Montequisto


HOYER

3064 LANG

3065 LANG


NEUBAUER

Doppelcutaway

Tiefcutaway

Normalcutaway


RAUSCHMAYR Erich

Variante 1

Variante 2

Variante 3

Variante 4 / 4a

Variante 5


SEIFERT Heinz

Kopie D’Aquisto Solo

Bilder: Kopie D’Aquisto Solo Quelle: Lob


SANDNER Anton

Jumbo 19 Zoll

LANG-Stil 17 Zoll

Tiefcutaway

 


SONSTIGE

FRAMUS  Franz Hirsch möglich

Bild: Framus Quelle: Web


REIS Heinrich

Handschriftlicher Vermerk auf Bodeninnenseite: Heinrich Reis München 1976.

Ausführung und Verarbeitung entsprechen nicht dem LANG-Standard.


Unbekannt


OSTDEUTSCHLAND – DDR

GEWÖLBTES MODELL

Modell ohne Cutaway

Modell mit Cutaway

 

MIGMA – Dölling

Bilder vom Korpusinneren

Diese LANG-Kopie ist eine zahlreich verkaufte Gitarre aus der DDR in den 60er Jahren.

Vollmassive Hölzer, beste Verarbeitung, optimales Handling und hervorragende klangliche Eigenschaften kennzeichnen dieses Modell.

Hemosch, Meinel & Herold und Migma waren die bekanntesten Vertreiber, wobei Hemosch mit Abstand die meisten Modelle dieser Art verkauft hat.

Variationen gibt es bei Form und Dekor der Kopfplatte, dem Halsfußprofil, beim Griffbrett und der Hardware. Diese Unterschiede sind bedingt durch die individuellen Eigenheiten der Gitarrenbauer und die Wünsche der jeweiligen Vertreiber.

Die Korpusform außen und innen und der Halsrohling sind jedoch annähernd unverändert.

Alle Hälse sind geschraubt.

Auffallend ist, dass bis dato kein Modell dieser Art von Herrnsdorf in meiner Bildergalerie zu finden ist.

Interessant ist die Frage, wer die Komponenten für diese Gitarren hergestellt hat

In meiner Bildergalerie befanden sich, zum Zeitpunkt der Berichterstellung, 20 derartige Modelle.

Von Erich Dölling gibt es zwei mit dem MIGMA-Label. Drei weitere weisen das für Dölling typische Halsfußprofil auf, das lässt vermuten, dass auch noch andere Gitarrenbauer dieses Modell gebaut haben.

Ein Label ist nicht der Beweis dafür, dass alle Komponenten von der auf dem Etikett aufgeführten Person hergestellt wurden.

Gerade kleine Gitarrenmanufakturen haben oft Rohkomponenten von anderen Herstellern bezogen, konfektioniert und gelabelt.

Aufgrund der hohen Qualität und der typischen konstruktiven Merkmale besteht ein berechtigter Grund zur Annahme, dass die Hauptkomponneten Korpus und Hals aus der Werkstatt von Herbert Todt stammen.

Datenblatt eines gewölbten Modells

Bild: Datenblatt Hemosch Quelle: HR

GERMAN CARVE – MODELL

HERRNSDORF – Elektro Artist

Bilder vom Korpusinneren

Weitere Infos: http://schlaggitarren.de/archtop/restauration-einer-herrnsdorf-elektro-artist-von-todt/

Dieses Modell wurde von Herbert Todt speziell für Herrnsdorf gebaut und ist bezüglich Qualität und Ausführung noch etwas höherwertiger als die gewölbte Variante.

Die Korpusform ist, bei gleicher Grösse, am unteren Bug abgeflacht. Decke und Boden sind in German Carve ausgeführt und die Zargenhöhe ist etwas größer. Die gesamte Dicke (Zargenhöhe + Wölbung von Decke und Boden) ist mit 9,5cm um 1cm stärker als beim gewölbten Modell.

Weitere Merkmale sind die beiden Querbalken unter der Decke, die eingelegten Zierstreifen in der Zarge und der große Radius am Cutaway-Ende zur Halsanbindung.

Das opulente Binding von Decke und Boden ist wie bei LANG 9-fach.

Der Schriftzug für die Modellbezeichnung befindet sich auf Korpus, Kopfplatte oder Schlagbrett.

Der PU ist versteckt im Halsende untergebracht, während die Stecker für die elektrische Abnahme in den Halsfuß integriert sind. Die Regelpotis befinden sich auf der Schlagbrettunterseite; somit gibt es keine Beschädigungen am Korpus durch den Einbau der Elektrik.

HERRNSDORF – Variante 1

Dass es dieses Modell bei Herrnsdorf auch mit einer etwas anderen Korpus-und Schalllochform, ohne Radius am Cutaway und ohne Zierstreifen an der Zarge gibt, legt die Vermutung nahe, dass die Entwicklung des Modells Elektro Artist stufenweise stattgefunden hat.

HERRNSDORF – Variante 2

Gleicher Korpus und Hals wie bei der Elektro Artist, aber mit tropfenförmigen, nach außen geschwungenen Schalllöchern, wie sie in dieser Eleganz nur noch bei den FAVORIT-Modellen von Heinz Seifert zu finden sind..